Diese Frage stellen sich alle Ausländer, wenn sie erstmals zur Arbeit nach Luxemburg kommen. Die Antwort liegt nicht auf der Hand. Die Mehrsprachigkeit ist in Luxemburg so präsent, dass zuweilen nur schwierig festzustellen ist, welche Sprache unter welchen Umständen gesprochen werden sollte.
Eine soziodemografische, gesetzliche und bildungsabhängige Mehrsprachigkeit
Die Mehrsprachigkeit im Großherzogtum Luxemburg ist weitgehend durch seine soziodemografischen Besonderheiten bedingt. Zum 1. Januar 2016 hatte Luxemburg 576.249 Einwohner, darunter fast die Hälfte (260.175) Ausländer, die zu Hause und in ihrem Umfeld ihre Muttersprache sprechen. Zur Bevölkerung kommen die etwa 160.000 deutschen, belgischen und französischen Grenzgänger hinzu, die täglich zur Arbeit nach Luxemburg kommen. Insgesamt leben im Land auf einer Fläche von lediglich 2.586,4 km2 Menschen mit 170 verschiedenen Staatsangehörigkeiten.
Die Mehrsprachigkeit ist auch im luxemburgischen Gesetz verankert. Seit dem Gesetz vom 24. Februar 1984 über den Gebrauch der Sprachen hat das Land eine Nationalsprache – Luxemburgisch oder Lëtzebuergesch – und drei Amtssprachen: Luxemburgisch, Französisch und Deutsch. Die Gesetze werden in französischer Sprache aufgesetzt, die Regierung und die Verwaltungsbehörden verwenden alle drei Sprachen. Stellt ein Bürger eine Frage auf Luxemburgisch, Französisch und Deutsch, müssen ihm diese Stellen möglichst in der Sprache antworten, in der er sie gestellt hat. Alle drei Sprachen werden auch in den Schulen unterrichtet: Luxemburgisch im Kindergarten, Deutsch ab dem ersten Jahr der Grundschule und Französisch ab dem zweiten.
Eine vorherrschende Sprache abhängig von Berufsfeld oder Region
Es gibt keine einzige vorherrschende Sprache in Luxemburg. Welche Sprache gesprochen wird, hängt von den Regionen ab. Im Norden und Osten spricht die Mehrheit der Bevölkerung vor allem Luxemburgisch und Deutsch. In der Mitte und im Süden, wo die Bevölkerungsdichte besonders hoch ist, wird vor allem Französisch und Luxemburgisch gesprochen, in geringerem Maße auch Portugiesisch aufgrund großer portugiesischsprachiger Bevölkerungsgruppen in Gemeinden wie Esch-sur-Alzette oder Differdange. In der Stadt Luxemburg, wo die Bevölkerung sich aus 160 verschiedenen Nationalitäten und zum großen Teil aus Ausländern (fast 70% im Jahr 2015) zusammensetzt, ist die englische Sprache neben dem Französischen stark vertreten.
Auch das Berufsfeld bestimmt, welche Sprache gesprochen wird. Im privaten Sektor und vor allem bei extraterritorialen Organisationen, im Hotel- und Gastgewerbe, im Baugewerbe, im Rahmen von wissenschaftlichen oder technischen Tätigkeiten, bei Versicherungen und im Immobiliengeschäft wird weitgehend Französisch gesprochen. Englisch, die Sprache der Geschäfts- und Finanzwelt, ist dem Französischen hart auf den Fersen. Luxemburgisch wird in Verwaltung und Bildung, im Sozial- und Gesundheitswesen gesprochen. Deutsch ist vor allem in Verwaltungsberufen, mittleren und intellektuellen Berufen im Universitätsbereich zu hören.
Ein Mindestmaß an Respekt und Höflichkeit
Angesichts der zahlreichen verschiedenen Situationen bleibt die Frage: Muss ich Luxemburgisch sprechen? Die Antwort lautet ja, selbst wenn Sie es in Ihrem Alltagsleben nicht benötigen, allein aus Respekt für Ihr Gastgeberland. Es gibt zahlreiche und häufig kostenlose Möglichkeiten, die Sprache zu lernen. So gibt es sogar Online-Kurse. Die Beherrschung des Luxemburgischen kann Ihnen auch Türen öffnen, nicht nur um eine Arbeitsstelle in Sektoren zu erhalten, die mehr oder minder mit dem öffentlichen Sektor verbunden sind, sondern auch um ihre Kundenbasis zu erweitern, wenn Sie als Geschäftsführer einer Gesellschaft oder als Selbstständiger tätig sind. Schließlich ist die Kenntnis des Luxemburgischen auch eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erwerb der luxemburgischen Staatsbürgerschaft.